Fünf oder sechs Tage Gehen, Stille und Weite. Die Via degli Dei ist kein gewöhnlicher Fernwanderweg, sondern eine Zeit außerhalb der Zeit. Man startet in Bologna, lässt die Arkaden von San Luca hinter sich und findet sich fast unbemerkt in einer anderen Welt wieder: windige Grate, alte Buchenwälder und kleine Dörfer, in denen die Uhren langsamer gehen. Wer die rund 130 Kilometer geht, lernt die eigenen Grenzen kennen und die Schönheit geteilter Anstrengung, quer durch den wilden Kern des Toskanisch-Emilianischen Apennins und über die sanften Hügel des Mugello.
Die Route in Zahlen
- Länge: rund 130 Kilometer, von der Piazza Maggiore in Bologna bis zur Piazza della Signoria in Florenz
- Dauer: üblicherweise fünf bis sechs Etappen, also etwa 20 bis 30 Kilometer am Tag
- Höhe: der Weg bleibt im Mittelgebirge. Markante Punkte sind der Monte Adone mit 654 Metern und der Passo della Futa mit 903 Metern, der höchste Abschnitt liegt am Monte Gazzaro bei gut 1.100 Metern
- Anstiege: keine alpinen Passagen, aber über die Gesamtstrecke summieren sich mehrere tausend Höhenmeter im ständigen Auf und Ab
- Beste Zeit: Frühjahr und Frühherbst. Im Hochsommer wird es auf den offenen Graten sehr heiß, im Winter sind die Höhen oft nass und rutschig
Viele Wandernde tragen eine credenziale bei sich, einen Stempelpass wie auf dem Jakobsweg. In Unterkünften, Bars und Rifugi entlang der Strecke bekommt man den Stempel; das letzte Feld wird in Florenz gefüllt.
Jede Etappe hat ihre eigene Geschichte, ihren Geruch nach Erde und Kiefern und ihre Schwierigkeiten: von den fordernden Anstiegen am Monte Adone bis zu den historischen Abschnitten der Flaminia Militare, wo man buchstäblich über Steine geht, die römische Straßenbauer verlegt haben. Doch erst auf der letzten Etappe kippt die Stimmung, und eine seltsame, wunderbare Euphorie steigt auf.

Der Moment der Ankunft: der Abstieg nach Florenz
Nach der letzten großen Anhöhe erreicht man den natürlichen Balkon von Fiesole. Von hier ist das Ziel sichtbar: Die Kuppel Brunelleschis steht stolz über den roten Dächern von Florenz und wird mit jedem Schritt größer. Es beginnen die letzten Kilometer, endlich bergab.
Der Eintritt in die Stadt ist ein Gefühlsausbruch. Wenn man das Pflaster der Piazza della Signoria betritt, zwischen den neugierigen Blicken der Reisenden, ist die Wanderung offiziell vollbracht. Man steht unter dem Palazzo Vecchio, müde und stolz, und lässt das letzte Feld der credenziale stempeln.
Die Via degli Dei verändert etwas. Man kommt an mit einem Kopf, der endlich frei ist vom Alltag, und mit jenem echten Glück, das nur ein langer Weg schenkt. Ein Detail bleibt: Der Geist ist erneuert, die Beine sind es nicht.

Nach den Fotos mit abgestelltem Rucksack kommen die ersten kleinen Belohnungen: ein handgemachtes Eis oder ein eiskaltes Getränk gegen den Durst. Endlich werden die Schuhe aufgeschnürt, jene treuen Begleiter, die so viele Kilometer geschluckt haben. Nach dem Staub, den Stunden in Sonne und Regen und den Nächten in Mehrbettzimmern meldet sich der Körper. Die Sache ist geschafft, und jetzt darf es Komfort sein.

Nach der Via degli Dei: wo Sie in Florenz ausruhen
Die Versuchung, sofort zum Bahnhof zu laufen und nach Hause zu fahren, ist groß. Aber warum sich nicht eine letzte Nacht gönnen? Im B&B Marbò Florence warten eine heiße Dusche, ein richtiges Bett und Ruhe.
Wir liegen 100 Meter vom Bahnhof Firenze Santa Maria Novella entfernt. Am Ende eines langen Weges ist das der kürzeste denkbare Anmarsch, und am nächsten Morgen stehen Sie in wenigen Minuten am Gleis. Zurück nach Bologna sind es mit dem Schnellzug etwa 35 Minuten, für die Sie zu Fuß fünf Tage gebraucht haben.
Und der Tag danach?
Wenn am nächsten Morgen noch Kraft übrig ist, beginnt unser Programm für einen Tag in Florenz praktisch vor der Haustür. Für müde Beine empfehlen wir stattdessen eine Pause in einer der Eisdielen im Oltrarno.







