Ostern in Florenz heißt vor allem eines: Am Ostersonntag um elf Uhr wird auf dem Domplatz ein hoher, historischer Wagen voller Feuerwerkskörper in die Luft gejagt. Der Scoppio del Carro ist kein Volksfest im deutschen Sinn, sondern ein kirchliches Ritual, das die Stadt seit über 900 Jahren begeht. Wer zu Ostern hier ist, sollte es gesehen haben.
Was der Scoppio del Carro ist
Wörtlich übersetzt heißt Scoppio del Carro die Explosion des Wagens. Ein rund elf Meter hoher, dreistöckiger Karren aus dem 17. Jahrhundert wird von weißen Ochsen durch die Altstadt zum Domplatz gezogen und dort zwischen Kathedrale und Baptisterium aufgestellt. Der Wagen ist über und über mit Feuerwerk bestückt. Gezündet wird er nicht von Hand, sondern von einer Rakete in Form einer Taube, die aus dem Inneren der Kirche über den Platz fliegt.
Etwas Vergleichbares gibt es im deutschsprachigen Raum nicht. Am ehesten hilft die Vorstellung eines Osterfeuers, das mitten in der Altstadt und mit einem zwanzigminütigen Feuerwerk stattfindet – begleitet vom Erzbischof, den Stadtbehörden und einem historischen Umzug.
Die Geschichte: vom Ersten Kreuzzug zum Brindellone
Der Brauch geht auf den Ersten Kreuzzug und die Einnahme Jerusalems im Jahr 1099 zurück. Der Florentiner Pazzino de’ Pazzi soll als Erster die Stadtmauer erstiegen haben und wurde dafür mit drei Splittern vom Heiligen Grab belohnt. Aus diesen Steinen schlug man in Florenz das heilige Feuer, das am Karsamstag an die Familien der Stadt verteilt wurde, damit sie ihre Herdfeuer neu entzünden konnten.
Aus dem Feuerwagen, der das Feuer durch die Straßen brachte, wurde im Lauf der Jahrhunderte der pyrotechnische Wagen von heute. Nach der Pazzi-Verschwörung gegen die Medici von 1478 pausierte das Fest, wurde aber wieder aufgenommen und unter dem Einfluss des Predigers Girolamo Savonarola neu ausgestaltet. Den Wagen selbst nennen die Florentiner bis heute Brindellone, ungefähr: der große Schlaks.
Der Ablauf am Ostersonntag
Der Zug zum Domplatz
Am frühen Morgen startet der Brindellone vom Platz an der Porta al Prato und wird von den Ochsen langsam durch die Altstadt gezogen. Begleitet wird er von einem historischen Umzug in Renaissancekostümen mit Trommlern und Fahnenschwingern, den sbandieratori. Gegen zehn Uhr steht der Wagen auf dem Domplatz.
Der Flug der Colombina
Beim Gesang des Gloria in excelsis Deo zündet der Erzbischof am Hochaltar die Colombina, eine Rakete in Gestalt einer weißen Taube. Sie läuft an einem gespannten Draht rund sieben Meter über dem Boden aus dem Kirchenschiff hinaus, legt die 150 Meter bis zum Wagen zurück, entzündet dort das Feuerwerk und kehrt zum Altar zurück. Danach knallt, zischt und funkt es etwa zwanzig Minuten lang.
Was der Flug bedeutet
Kommt die Taube sauber hin und wieder zurück, gilt das als gutes Omen für die Ernte und das kommende Jahr. Bleibt sie stecken, wird darüber am Ostermontag in der ganzen Stadt geredet. Der Brauch stammt aus einer bäuerlichen Welt, in der die Ernte über alles entschied, und wird bis heute mit demselben Ernst verfolgt.
Praktische Hinweise für Besucher
- Kostenlos und ohne Anmeldung. Der Domplatz wird ab dem frühen Morgen abgesperrt und füllt sich schnell. Wenn Sie etwas sehen wollen, sollten Sie gegen neun Uhr da sein.
- Es wird sehr laut. Für kleine Kinder ist Gehörschutz eine gute Idee, und wer empfindlich auf Rauch und Knallgeräusche reagiert, stellt sich besser an den Rand des Platzes.
- Mit dem Auto kommen Sie nicht hin: Die Altstadt ist Verkehrsverbotszone. Kommen Sie zu Fuß oder mit der Straßenbahn, mehr dazu in unseren Reisetipps für Florenz.
- Anders als in Deutschland und Österreich ist der Karfreitag in Italien kein gesetzlicher Feiertag: Geschäfte und Museen haben normal geöffnet. Feiertage sind der Ostersonntag und der Ostermontag.
- Der Ostermontag heißt Pasquetta und gehört traditionell dem Ausflug ins Grüne. Viele Florentiner sind dann außerhalb der Stadt, dafür haben zahlreiche Restaurants im Zentrum geschlossen – reservieren Sie vorher.
Ostern in Florenz: Termine und Adressen
Der Scoppio del Carro findet am Ostersonntag um elf Uhr auf der Piazza del Duomo statt, im Anschluss an das Pontifikalamt in der Kathedrale. Ostern ist ein bewegliches Fest: 2027 fällt der Ostersonntag auf den 28. März, 2028 auf den 16. April.
Auf dem Tisch steht am Ostersonntag in der Toskana meist Lamm mit Artischocken, dazu geweihte Eier. Statt eines Osterlamms aus Rührteig gibt es die Colomba, einen Hefekuchen in Taubenform mit Mandeln und kandierten Früchten. Eiersuchen für Kinder kennt man hier nicht; die Schokoladeneier sind dafür riesig und enthalten eine Überraschung.
Wenn Sie das Wochenende bleiben, hilft Ihnen unser Vorschlag für einen Tag in Florenz weiter, dazu die Auswahl an Restaurants für den Abend.
- Gottesdienstzeiten und Informationen zur Kathedrale: duomofirenze.it







